Klaus Mann / Zur Editionsgeschichte der Tagebücher

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Klaus Mann hat bereits in seiner Jugend Tagebuch geführt. Die Aufzeichnungen selbst sind verschollen, aber sie haben den Schriftsteller offenkundig zu einer Neuaufnahme des Vorhabens inspiriert, denn just der allererste Eintrag vom 9.10.1931 lautet: "München. Durch die (übrigens sehr amüsante und aufschlussreiche) Lektüre der alten Tagebücher (1919-20) für Kindheitsbuch auf den Einfall gekommen, wieder Tagebuchartiges aufzuschreiben. Will mich aber an Sachlichstes halten."
Tagebuch, 1935
Tagebucheintrag vom 16./17. September 1935
Ein "Einfall" mit Langzeitwirkung. Klaus Mann schrieb fortan Tagebuch bis zum 20. Mai 1949, einen Tag vor seinem Freitod, wenn auch mit teilweise längeren Unterbrechungen. Insgesamt 21 Kladden und Kalender dokumentieren die Wege und Irrwege seines Lebens, seine Erfolgsmomente sowie seine menschlichen und literarischen Enttäuschungen, seine latente Geldknappheit, die lebenslange Drogenabhängigkeit und die am Ende übermächtige Todessehnsucht. Bei aller Dramatik des Lebens sind die Tagebücher in einem sachlichen Stil gehalten. Klaus Mann unternimmt keine essayistischen Ausflüge auf literarisches oder politisches Terrain. Er notierte, was er am Tag und in der Nacht unternahm, woran er schrieb, was er las, wen er traf und mit wem er korrespondierte. Klaus Manns Tagebücher dokumentieren ein Netzwerk, das auch seine Freundschaften und literarischen Zeitgenossen umfasst.


1989-1991 veröffentlichte die Edition Spangenberg mit den Herausgebern Joachim Heimannsberg, Peter Laemmle und Wilfried F. Schoeller die Tagebücher in einer sechsbändigen Ausgabe. Eine Edition der Tagebücher mit einem grundlegend überarbeiteten und erweiterten Anmerkungsteil erschien 1995 als Taschenbuch-Kassette im Rowohlt Verlag.

Die Herausgeber haben seinerzeit Passagen gekürzt, "die mit ihrer reinen Aufzählung von Fakten einen geringeren Informationswert haben und in der Wiederholung gelegentlich monoton wirken." (Bd. 1, S. 207). Publiziert wurden etwa zwei Drittel des Gesamttextes.


Die nun vorliegende digitale Edition bietet zum ersten Mal die Möglichkeit, die Tagebücher von Klaus Mann vollständig und unbearbeitet zu lesen.

Alle Einträge sind handschriftlich und ab 1942 in englischer Sprache verfasst, viele Personennamen sind abgekürzt. Deshalb bleibt die kommentierte Buchausgabe ein nützliches Instrumentarium.

Wir danken Herrn Prof. Dr. Frido Mann für seine Unterstützung.